10. August 2017

Neue Bisttalbahn? Also es muss Wahlkampf sein.

 

 

Die JU möchte also die angeblich zweigleisig ausgebaute Bisttalbahn reaktivieren; Saarbrücken-Völklingen, die Bisttalbahn grenzüberschreitend nach Hargarten-Falck, über Forbach nach Saarbrücken.

1. Wer schon mal die Strecke selbst abgegangen ist, dem ist auch bekannt, dass die Strecke nur noch auf dem Papier zweigleisig ist; ansonsten durch Rückbau, Bewaldung etc. pp. nur noch eingleisig. Man kann jetzt argumentieren, dass die bürokratische Hürde einer zweigleisigen Bahnführung somit grundsätzlich gelöst ist. Nur die paar Millionen für die Ertüchtigung des bestehenden Gleisstrangs und der Neubau zu einem zweigleisigen System auf deutscher Seite müssten noch gefunden werden. Da der französische Teil der geplanten Strecke, also Überherrn-Hargarten, schon vor Jahren komplett zurückgebaut wurde, auch ein interessant-kostspieliger Abschnitt. Falls Frankreich überhaupt Interesse an einer Reaktivierung zeigen sollte. Eine Korrektur der Aussage, dass „in der Region ein infrastruktureller Schatz, der nur gehoben werden möchte“ liegt zu „in der Region liegt bald ein infrastruktureller Schatz, der nur versenkt werden wollte“ wäre vielleicht angeraten.

2. Die Infrastruktur umfasst aber nicht nur die Gleise, sondern auch die Brücken. Und nicht umsonst durfte nur noch Güter-, aber eben kein Personenverkehr mehr erfolgen. Denn auch bei den Brücken ist eine (Komplett-)Sanierung fällig. Das nächste Millionengrab. Ganz davon abgesehen, dass der ehemals größte Grenzumschlagsplatz mittlerweile Privatgelände ist und der ehemalige Bahnhof Überherrn durch die erfolgten Rückbaumaßnahmen nicht mehr für den Schienenverkehr (somit auch ökologischeren Zügen als damals) passierbar ist.

3. Bei Reaktivierung zahlt die Gemeinde gem. dem Gesetz über Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen, dem Eisenbahnkreuzungsgesetz (EBKrG), auch wieder drauf. Und abhängig von der Zugfrequenz sind herrliche Verkehrsprobleme u.a. am stark befahrenen Koch-Kreisel zu erwarten. Kreisverkehr direkt vor Bahnstrecke ist ein Garant dafür.

Die Frage, die sich primär stellt, ist aber die, was die Großgemeinde Wadgassen von einem möglichen S-Bahn-Ringverkehr überhaupt an Vorteilen hätte.

Für den Güterverkehr besteht schlicht kein Bedarf. Die Industriebereiche unserer Gemeinde liegen einfach nicht an der Bahnstrecke, auch das ehemalige Koch-Gleis ist mittlerweile überflüssig geworden. Oder es besteht kein Bedarf. Sollte der Cargo-Umschlagsplatz, den Überherrn plant, irgendwann Realität werden, zahlt unsere Gemeinde die Zeche, hat aber außer den Kosten, der Beeinträchtigung des Straßenverkehrs und der Lärmbelästigung der Anwohner (z.B. Schweizer Str., Im Wiesengrund, Schäfereistr., Altforweilerstr. uva.) wenig Gutes zu erwarten.
Der Personenverkehr ist durch Busse abgedeckt und es darf angemerkt werden, dass bei entsprechendem Bedarf und tatsächlicher Nutzung die Strecke damals sicherlich nicht stillgelegt worden wäre. Mögliche Bahnhöfe an der Strecke sind abgelegen und deshalb unattraktiv. Oder würden Sie ins Wadgasser Outlet einkaufen gehen, wenn der Bahnhof in der Dr.-Koch-Str. angesiedelt wäre?

Kleinere Baumaßnahmen könnten deutlich sinnvoller scheinen.
Angefangen vom Bau eines Zubringers Höhe Rewe über den Schienenverlauf zur Dr.-Koch-Straße, wodurch der obere Teil der Treppenstraße endlich entlastet würde. Wenn beidseitig Autos korrekt parken, geht dort gar nichts mehr. Und ein Komplettrückbau der Gleise bei Kreuzungen, so dass es nicht andauernd zu den beliebten Bremsmanövern kommt, wäre auch nicht schlecht. Und ganz nebenbei könnte man vielleicht den ÖPNV preislich deutlich solidarischer gestalten, statt die nächste defizitäre Strecke zu eröffnen. Und vielleicht, ja nur vielleicht könnte man ja auch die ein oder andere Million für die Straßeninstandsetzung verwenden. Und nein, als Wadgasser liegt mir nichts daran, dass Völklingen wieder zu einem Drehkreuz wird.

Make Völklingen great again... das dürfen gerne Völklinger probieren. Mir geht es rein um unsere Gemeinde. Und da fehlt mir die stichhaltige Begründung für ein solches Millionenprojekt.

 

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Tags/Schlagworte dieses Artikels: Gemeinderatsfraktion, Wadgassen, DIELINKE, Bisttalbahn

 

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